Viele Informationen beim Nordschwäbischen Biogastag
Zukunft der Biogasanlagen

Teilnehmer beim Biogastag in Oberndorf

Teilnehmer beim Biogastag

Auf großes Interesse stieß der Nordschwäbische Biogastag in Oberndorf im Januar 2016. Behördenleiter Manfred Faber vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Nördlingen eröffnete die Veranstaltung und verwies auf die Beratungsleistungen, mit denen das Amt die Biogasbranche begleitet.

Thomas Häcker, Biogasbetreiber aus Baden-Württemberg, erläuterte sein Konzept zur saisonalen Verschiebung der Stromproduktion. Seine Anlage ging 2013 mit der zusätzlichen Dienstleistung in Betrieb, die Großgebäude seiner Gemeinde mit Wärme zu versorgen. Die Biogasanlage wird flexibel im Sommer-Winterbetrieb gefahren, um eine höchstmögliche Wärmeversorgung zu gewährleisten. Durch die Verschiebung der Stromproduktion über den Tag wird Strom dann produziert, wenn er am meisten nachgefragt wird.
Mittelspannungsrichtlinie
Rainer Eigner von NQ-Anlagentechnik referierte über die Anforderungen der Mittelspannungsrichtlinie und den bürokratischen Aufwand, den Biogasanlagen bei Überschreitung der vorgegebenen Spannung zu bewältigen haben.
Einsparung von Kohlendioxid durch Strom aus Erneuerbaren Energien
Dr. Stephan Rauh vom Fachverband Biogas e.V. verwies auf die momentan laufenden Verhandlungen zum Eneuerbaren-Energien-Gesetz 2016. Er appellierte an die Politik, nicht nur die gestiegenen Kosten der EEG-Umlage, sondern auch die CO2-Einsparung aufzuzeigen, wie sie im Rahmen der Klimaschutzkonferenz in Paris gefordert wurde. Durch jede Kilowattstunde Strom aus Erneuerbaren Energien werden demnach 5 Cent (bei Kosten von 50 bis 80 Euro / t CO2) eingespart. Dieser Betrag müsste der EEG-Umlage gutgeschrieben werden. Nach dem Auslaufen der EEG-Vergütungen werden voraussichtlich auch Biogasanlagen an Ausschreibungsverfahren teilnehmen müssen.
Beim Betreiben einer Biogasanlage sind in der Regel nicht nur der Betriebsleiter, sondern alle Familienmitglieder eingebunden. Daraus resultieren oft tiefgreifende Probleme, weshalb Thorsten Grantner (OmniCert Umweltgutachter GmbH) auf die Problematik "Zeitmanagement - Arbeiten um zu leben oder leben um zu arbeiten?" näher einging.
Silphiefeld

Acker mit Silphie

Regionale Vermarktung bietet neue Möglichkeiten
Mit dem Thema "Energie per Handschlag (EPH)" überzeugte Richard Riegger vom Energiepark Hahnennest die Zuhörer durch ein schlüssiges Konzept zur regionalen Vermarktung von Strom und Biomethan aus der eigenen Anlage, bei der das gewonnene Gas aufbereitet wird. Die Betreiber vermarkten ihre Produkte selbst und bieten z.B. "Bienenstrom" aus der angebauten Alternativfrucht Durchwachsene Silphie an. Die alternative Energieepflanze hat einen vielfältigen ökologischen Nutzen (z.B. als Trachtpflanze der Bienen). Mittlerweile ist es gelungen, Anbau und Ernte durch die gängige Technik zu realisieren.
Wasserrechtliche Auflagen verschärft
Angelika Gutmann referierte über Anforderungen an Biogasanlagen im Hinblick auf das Wasserrecht. Unfälle in Biogasanlagen in der Vergangenheit haben dazu geführt, dass die wasserrechtlichen Anforderungen verschärft wurden. Mit der Novellierung der bundeseinheitlichen Anlagenverordnung (AwSV) kommt es womöglich zu einer Erhöhung der vorgeschriebenen Lagerdauer von Gärresten auf neun Monate. Der Bau von Endlagern oder die Trocknung von Gärresten sind Optionen zur Einhaltung dieser neuen Regelungen.
Auf Systeme zur Gärresttrocknung ging Bianca Heidecker (LandSchafftEnergie, AELF Nördlingen) ein und zeigte Verfahren auf. Die Wirtschaftlichkeit stellte Hannes Geitner (AELF Nördlingen) anhand eines Bandtrockners dar.
Der Besuch einer japanischen Delegation wenige Tage vor der Veranstaltung zeigt, dass in Sachen Biogasanlagen in unserem Landkreis viel Know-how vorhanden ist, das auch international Interesse weckt. Biogasanlagen bilden einen wichtigen Pfeiler der Energiewende, da diese als einzige Form der erneuerbaren Energien bedarfsgerecht Strom produzieren können. Der Fortbestand der Biogasanlagen ist derzeit allerdings noch nicht gesichert.